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Glossar Elektronikfracht

ESD-Schutz unterwegs: warum eine Baugruppe zwischen Werk und Werk am meisten gefährdet ist

Ein Steuergerät übersteht Prüffeld und Klimakammer, fällt aber nach dem Transport aus. Meist liegt es nicht am Bauteil, sondern an den Minuten, in denen es niemand geschützt hat. ESD beschreibt genau diese Minuten.

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Woher der Begriff kommt und was er beschreibt

ESD ist die Abkürzung für electrostatic discharge, auf Deutsch elektrostatische Entladung. Gemeint ist der plötzliche Ausgleich zwischen zwei unterschiedlich geladenen Körpern. Wer über einen Teppichboden geht, lädt sich auf, ohne etwas zu spüren. Berührt diese Person danach einen Anschlusspin, fließt der Ausgleichsstrom durch die Halbleiterstruktur dahinter.

Für den Menschen ist das ein kurzer Schlag am Türgriff. Für ein Bauteil ist es ein Ereignis, das Oxidschichten durchschlägt oder feinste Leiterbahnen anschmilzt. Der teure Teil daran ist der latente Defekt. Die Baugruppe besteht den Wareneingangstest, läuft im Prüffeld und fällt erst Wochen später aus, dann aber eingebaut und beim Kunden.

Beschrieben wird der Schutz in der Normenreihe IEC 61340-5-1. Sie regelt die EPA, also den ESD-geschützten Bereich in Fertigung und Labor, die Erdung von Personen und Arbeitsflächen und die Verpackung für alles, was diesen Bereich verlässt. Für eine Sendung folgt daraus ein einfacher Satz: Sobald das Teil die EPA verlässt, trägt die Verpackung den Schutz allein.

Die Begriffe, die in ESD-Vorgaben stehen

Diese Wörter tauchen in Lieferantenvorschriften und Verpackungsanweisungen auf. Wer sie kennt, versteht auch, was eine Kuriersendung leisten muss.

  • EPAESD Protected Area, der geschützte Bereich. Boden, Tisch, Stuhl, Werkzeug und Personen liegen dort auf einem gemeinsamen Erdpotential, sodass keine Spannungsdifferenz entsteht.
  • Shielding BagDer metallisierte Beutel mit Abschirmwirkung. Er hält Felder von außen ab und ist die einzige Verpackung, die eine Baugruppe außerhalb der EPA zuverlässig schützt.
  • DissipativAbleitfähig, weder isolierend noch gut leitend. Ladung fließt langsam und kontrolliert ab, statt sich in einem einzigen Funken zu entladen.
  • HBMHuman Body Model, das Prüfmodell für die Entladung über einen Menschen. Datenblätter geben die Empfindlichkeit einer Komponente in diesem Modell an.
  • Latenter DefektEine Vorschädigung, die kein Wareneingangstest findet. Das Bauteil arbeitet zunächst, verliert Lebensdauer und versagt später im eingebauten Zustand beim Endkunden.
  • FeldkontrolleDas Fernhalten von Isolatoren. Gewöhnliche Klebebänder, Folien und Luftpolster erzeugen Felder und wirken auch ohne jede Berührung auf das Bauteil.
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Wie ESD in einer Anfrage auftaucht

In der Praxis steht es selten als Fachwort in der Mail. Es steht als Nebensatz: das Muster ist ESD-empfindlich, bitte im Originalbeutel lassen, nicht öffnen, nicht umpacken. Genau dieser Nebensatz entscheidet über den Ablauf, weil er die Verpackung zur Bedingung der Sendung macht und nicht zu einer Nebensache.

Für uns hat das zwei Folgen. Erstens wird der Beutel nicht geöffnet, auch nicht zum Fotografieren. Was dokumentiert werden muss, wird vor dem Verschließen im Werk dokumentiert oder von außen. Zweitens wird die Umverpackung so gewählt, dass die Sendung durch eine Sicherheitskontrolle geht, ohne dass jemand den Innenbeutel in der Hand hat.

Wer die Sendung stattdessen in ein Netz gibt, verliert die Kontrolle über diesen Punkt. Ein Paket wird sortiert, gescannt, umgeladen und im Zweifel geöffnet. Niemand aus der Kette kann Ihnen später sagen, wer den Beutel aufgeschnitten hat und mit welcher Erdung er dabei am Tisch saß.

Wo der Schutz auf der Strecke tatsächlich kippt

01

Die Sicherheitskontrolle

Ein Kontrolleur darf die Sendung öffnen, wenn das Röntgenbild unklar bleibt. Der Kurier steht daneben, erklärt den Beutel, legt das Datenblatt vor und lässt die Öffnung nur auf der Kontrollfläche zu, nie irgendwo im Terminal.

02

Trockene Kabinenluft

In der Kabine sinkt die relative Luftfeuchte deutlich. Trockene Luft begünstigt Aufladung an Kleidung, Sitzbezug und Kunststofftasche. Deshalb bleibt die Sendung im Abschirmbeutel und in der Tasche, statt am Platz ausgepackt und geprüft zu werden.

03

Das improvisierte Umpacken

Wenn ein Karton nicht passt, greift jemand zu Klebeband und Luftpolsterfolie. Beides sind Isolatoren und erzeugen genau die Felder, die vermieden werden sollen. Der Kurier führt daher eigene, ableitfähige Umverpackung mit sich.

04

Die Übergabe im Werk

Der letzte Meter zählt: Das Teil wird nicht am Empfangstresen ausgepackt, sondern im geschützten Bereich, an einem geerdeten Platz, gegen Unterschrift. Vorher wechselt der Beutel nicht die Hand.

Wie eine ESD-Sendung bei uns abläuft

  1. 01

    Anfrage mit einem Satz zur Empfindlichkeit

    Sie schreiben, worum es geht, wie das Teil verpackt ist und wohin es soll. Wir antworten innerhalb von 15 Minuten, Tag und Nacht, mit Abflughafen, Ankunftszeit und Preis.

  2. 02

    Verpackung wird vorher abgestimmt

    Wir sagen Ihnen, welche Außenverpackung die Kontrolle unbeschadet übersteht und was Sie im Werk beilegen sollten. Der Innenbeutel bleibt so, wie ihn Ihre Fertigung verschlossen hat.

  3. 03

    Abholung mit Zeugen

    Der Kurier übernimmt gegen Unterschrift und Foto der geschlossenen Verpackung. Ab diesem Moment liegt die Sendung in einer Hand und wird nicht abgestellt, nicht sortiert und nicht auf einem Band bewegt.

  4. 04

    Kontrolle mit Begleitung

    An der Sicherheitskontrolle bleibt der Kurier bei der Sendung. Wird geöffnet, geschieht das unter Aufsicht und wird protokolliert, mit Uhrzeit und Ort.

  5. 05

    Flug im Handgepäck

    Die Sendung reist am Platz, nicht im Frachtraum. Bis 32 Kilogramm je Kurier sind möglich, je nach Gesellschaft aufgeteilt in Handgepäck und aufgegebenes Stück. Empfindliche Baugruppen bleiben in der Kabine.

  6. 06

    Übergabe im geschützten Bereich

    Sie erhalten das Teil dort, wo es geöffnet werden darf. Der Kurier dokumentiert Zeit, Ort und Empfänger. Das Protokoll geht Ihnen anschließend zu.

Fragen, die vor der Abholung gestellt werden

01Kann der Kurier garantieren, dass die Sendung nicht geöffnet wird?

Eine Garantie gegen behördliche Kontrolle kann niemand geben, auch kein Netzbetreiber. Der Unterschied liegt darin, dass unser Kurier anwesend ist, das Datenblatt vorlegt und die Öffnung begleitet. Danach wird sofort wieder ordentlich verschlossen und der Vorgang schriftlich festgehalten.

02Reicht der normale Antistatikbeutel aus dem Werk?

Für den Weg außerhalb der EPA sollte es ein abschirmender Beutel sein, nicht nur ein einfacher Antistatikbeutel. Wenn Ihre Fertigung anders verpackt, sagen Sie es in der Anfrage. Wir bringen ableitfähige Umverpackung mit und legen sie um Ihre Originalverpackung, ohne diese zu öffnen.

03Was passiert bei Sendungen mit eingebauter Batterie?

Dann kommen zur ESD-Frage die Vorschriften für Lithiumbatterien hinzu. Wir klären vor der Buchung, ob das Teil als Handgepäck reisen darf, ob die Zelle getrennt werden muss und was die Gesellschaft verlangt. Ohne diese Klärung wird nicht abgeholt.

04Warum nicht einfach ein Express-Paket mit Sonderkennzeichnung?

Weil die Kennzeichnung nur ein Aufkleber ist. Im Netz wird die Sendung trotzdem geschoben, gescannt und umgeladen, oft nachts, oft von wechselndem Personal. Bei einem Onboard Kurier gibt es keine Umschlagpunkte, an denen jemand den Beutel in die Hand nimmt.

05Bekomme ich einen Nachweis über die Handhabung?

Ja. Sie erhalten Abholzeit, Übergabezeit, Namen der Beteiligten und Fotos der geschlossenen Verpackung. Wurde an der Kontrolle geöffnet, steht auch das mit Uhrzeit im Protokoll. Dieser Nachweis ist bei Qualitätsvorfällen oft wichtiger als der Transport selbst.

Ein ESD-empfindliches Teil, das heute weg muss

Schreiben Sie uns Abholort, Zielwerk, Gewicht und einen Satz zur Verpackung. Wir antworten innerhalb von 15 Minuten mit Abflughafen, Ankunftszeit und Festpreis, aus FRA, MUC, DUS, BER, CGN, STR, HAM, LEJ, HAJ, NUE, BRE, DRS oder FDH. Der Kurier bleibt bis zur Unterschrift im geschützten Bereich bei der Sendung.

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