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Sicherheit und Nachweisführung

Obhutskette: eine Sendung, eine Hand, ein Protokoll

Bei Wertsachen, Prototypen und medizinischen Sendungen zählt nicht nur, dass die Ware ankommt. Es zählt, dass jederzeit belegbar ist, wer sie in der Hand hatte. Jede zusätzliche Übergabe ist eine Stelle, an der dieser Beleg reißen kann.

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Wofür die Obhutskette im Schadensfall zählt

Die Obhutskette, international als Chain of Custody bezeichnet, ist die lückenlose Dokumentation darüber, wer eine Sendung wann und wo in seiner Verantwortung hatte. Sie ist keine Sendungsverfolgung. Eine Sendungsverfolgung zeigt Orte, eine Obhutskette benennt Personen und Zuständigkeiten und hält den Zustand der Ware bei jedem Wechsel fest.

Gebraucht wird sie überall dort, wo im Nachhinein bewiesen werden muss, dass niemand Unbefugtes Zugriff hatte. Das betrifft Wertsendungen, Prototypen unter Geheimhaltung, Muster aus klinischen Prüfungen, forensisches Material, Datenträger mit personenbezogenen Daten und Sendungen, deren Zustand für eine spätere technische Analyse entscheidend ist.

Eine Kette ist so gut wie ihre schwächste Übergabe. Im Regelverkehr eines Paketdienstes gibt es viele davon: Abholung, Depot, Sortieranlage, Linienverkehr, Umschlag, Zustellfahrzeug. Jede dieser Stationen ist für sich sauber organisiert, und keine davon lässt sich im Nachhinein einer einzelnen Person zuordnen. Genau das ist bei einer Obhutskette aber die Anforderung.

Wie eine Obhutskette bei einem Onboard Kurier aussieht

Sechs Punkte, an denen jeweils ein Beleg entsteht.

  1. 01

    Übernahme beim Versender

    Der Kurier weist sich aus, der Versender prüft den Auftrag. Ware, Verpackung, Anzahl der Packstücke und, falls vorhanden, die Siegelnummer werden aufgenommen. Beide unterschreiben mit Datum und Uhrzeit.

  2. 02

    Verschluss und Kennzeichnung

    Die Sendung wird verschlossen und gekennzeichnet, bei Bedarf mit einem manipulationssichtbaren Beutel oder einer nummerierten Plombe. Die Nummer geht in das Protokoll und in die Avisierung an den Empfänger.

  3. 03

    Fahrt zum Abflughafen

    Der Kurier führt die Sendung selbst. Es gibt kein Depot, keinen Umschlag und keine Zwischenlagerung. Bei Fahrerwechsel auf langen Zubringerstrecken wird die Übergabe wie jede andere dokumentiert.

  4. 04

    Sicherheitskontrolle und Zoll

    Wird die Sendung von einer Behörde geöffnet, ist das kein Bruch der Kette, sondern ein dokumentierter Vorgang. Der Kurier hält Zeitpunkt, Stelle und neue Siegelnummer fest und meldet es sofort an den Desk.

  5. 05

    Flug und Ankunft

    Die Ware bleibt beim Kurier, im Handgepäck, soweit Größe und Vorschriften es zulassen. Der Desk meldet Abflug und geplante Ankunft am Tor an die im Auftrag benannten Ansprechpartner.

  6. 06

    Übergabe am Ziel

    Übergeben wird an die namentlich benannte Person gegen Ausweis. Protokolliert werden Name, Funktion, Ort, Uhrzeit, Zustand der Verpackung und die Siegelnummer, bei Bedarf mit Foto. Sie erhalten das Protokoll nach dem Einsatz.

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Wo Ketten reißen und was das kostet

Der häufigste Bruch entsteht nicht durch Diebstahl, sondern durch fehlende Zuordnung. Eine Sendung wechselt an einem Umschlagpunkt in eine andere Zuständigkeit, ohne dass eine Person unterschreibt. Später lässt sich nicht mehr sagen, wer sie zwischen zwei Zeitpunkten hatte. Für die Ware ist das folgenlos, für den Nachweis nicht, und der Nachweis ist bei diesen Sendungen der eigentliche Auftrag.

Der zweite Bruch entsteht bei der Zustellung. Eine Übergabe an die Poststelle, an den Empfang oder gegen eine unleserliche Unterschrift ohne Namen erfüllt die Anforderung nicht. Deshalb steht bei uns vor der Buchung fest, an wen übergeben wird, wie diese Person erreichbar ist und was geschieht, wenn sie zum vorgesehenen Zeitpunkt nicht da ist.

Der dritte Bruch entsteht durch Zwischenlagerung. Jede Nacht in einem Lager ist eine Zeitspanne ohne benannte Person. Ein Onboard Kurier hat diese Zeitspanne nicht, weil die Sendung ihn nicht verlässt. Das ist der eigentliche Grund, warum Wertsendungen und Sicherheitssendungen so transportiert werden, und nicht allein die Geschwindigkeit.

Was wir dazu sagen können: Unsere Kuriere sind geprüft, geschult und versichert, und sie arbeiten nach einem festen Protokoll. Wir sind ein Vermittlungs- und Dispositionsbetrieb und kein Frachtführer, der Kurier reist auf einem gewöhnlichen Sitzplatz eines Linienfluges. Welche Haftung im Einzelfall gilt und welcher Versicherungsschutz nötig ist, klären wir vor dem Auftrag und nicht danach.

Sendungen, bei denen die Kette der Auftrag ist

01

Wertkurier

Edelmetalle, Uhren, Steine, Sammlerstücke: Der Wert steckt in einem kleinen Volumen, und der Versicherer verlangt eine belegbare Kette. Eine Übergabe gegen Ausweis und Protokoll ist hier Teil der Leistung und keine Zusatzoption.

02

Prototypen und Muster

Vorserienteile, Designmodelle und Bauteile unter Geheimhaltung. Neben dem Wert zählt die Vertraulichkeit: Wer die Kiste geöffnet haben könnte, ist eine Frage, die im Nachhinein niemand beantworten kann, wenn niemand protokolliert hat.

03

Medizinische Sendungen

Proben aus klinischen Prüfungen, Gewebe und Präparate. Neben der Obhut zählt hier die Einhaltung der Bedingungen unterwegs, deshalb reisen Datenlogger und Transportbehälter mit und werden bei der Übergabe ausgelesen.

04

Datenträger

Festplatten, Backup-Medien und Geräte mit personenbezogenen Daten. Hier ist die Kette nicht nur eine kaufmännische, sondern eine datenschutzrechtliche Frage, und ein Protokoll mit Namen und Uhrzeit gehört zur Dokumentation.

05

Schadensteile

Ausbauteile, die technisch untersucht werden sollen. Der Zustand bei Übernahme muss festgehalten sein, sonst ist im Gutachten strittig, ob ein Schaden aus dem Betrieb oder aus dem Transport stammt.

06

Sicherheitskurier

Sendungen mit erhöhtem Schutzbedarf, bei denen Route, Übergabepunkte und Ansprechpartner vorher festgelegt werden. Abweichungen von diesem Plan werden gemeldet und nicht eigenmächtig entschieden, auch wenn sie Zeit sparen würden.

Fragen zur Nachweisführung

01Was unterscheidet die Obhutskette von einer Sendungsverfolgung?

Eine Sendungsverfolgung zeigt Statusmeldungen zu Orten und Zeiten. Eine Obhutskette benennt Personen: wer die Ware übernommen hat, wer sie weitergegeben hat, in welchem Zustand und mit welcher Siegelnummer. Für einen Nachweis gegenüber Versicherer, Auftraggeber oder Prüfstelle zählt die zweite Angabe.

02Bricht die Kette bei einer Zollkontrolle?

Nein, wenn sie dokumentiert wird. Eine Öffnung durch eine Behörde ist ein zulässiger Vorgang. Der Kurier hält Zeitpunkt, Stelle, Grund und die neue Siegelnummer fest und meldet es an den Desk. Undokumentiert wäre es ein Bruch, dokumentiert ist es ein Glied der Kette.

03Bleibt die Sendung immer im Handgepäck?

Soweit Größe, Gewicht und die Regeln der Fluggesellschaft es zulassen, ja. Je Kurier planen wir bis 32 kg, verteilt auf Handgepäck und ein aufgegebenes Stück. Bei Sendungen mit hoher Anforderung an die Obhut richten wir Verpackung und Maße so aus, dass die Kabine möglich bleibt.

04Bekommen wir das Protokoll als Beleg?

Ja. Nach dem Einsatz erhalten Sie das Übergabeprotokoll mit Ort, Uhrzeit, Name und Unterschrift des Empfängers, dazu die Siegelnummern und auf Wunsch Fotos der Verpackung bei Übernahme und Übergabe. Diese Unterlagen sind Ihr Nachweis gegenüber Kunde und Versicherer.

05Können zwei Kuriere gemeinsam reisen?

Ja, wenn das Vier-Augen-Prinzip gefordert ist oder das Gewicht es verlangt. Beide Kuriere sind geprüft, geschult und versichert, und beide zeichnen die Übernahme und die Übergabe. Das Kurierhonorar fällt dann je Kurier an, in der Spanne von AED 900 bis AED 2.600 je Einsatz.

Sendung, bei der der Nachweis zählt

Sagen Sie uns, was transportiert wird, welchen Nachweis Sie brauchen und an wen übergeben werden soll. Wir stimmen Verschluss, Protokoll und Übergabepunkt mit Ihnen ab und antworten innerhalb von 15 Minuten, Tag und Nacht.

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